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Extraktivismus im Maghreb: Klasse, Staat und Geopolitik (2026)

Herausgegeben von Hannes Warnecke-Berger und Rachid Ouissa. Im Zentrum stehen Algerien, Marokko und Tunesien. Das Buch untersucht die komplexen Verflechtungen zwischen Extraktivismus, staatlicher Macht, Klassenbildung und geopolitischer Neuorientierung in Nordafrika. Während die globale Energiewende wirtschaftliche Diversifizierung und nachhaltige Entwicklung verspricht, zeigen die internationalen Autor:innen dieses Bandes, wie „grüner Extraktivismus“ häufig ältere Strukturen von Abhängigkeit und Ungleichheit reproduziert und dadurch autoritäre Strukturen verfestigt.

Anstatt Transformationen voranzutreiben, passen sich Rentenökonomien an, stabilisieren und reorganisieren sich durch neue Rentenquellen und neue Formen sozialer Kontrolle. Das Buch leistet drei zentrale Beiträge. Erstens bietet es ein historisch fundiertes und theoretisch informiertes Verständnis der Rentenökonomien im Maghreb und zeichnet nach, wie koloniale Hinterlassenschaften der Ressourcenextraktion sich zu postkolonialen Mustern rentenbasierter Herrschaft entwickelten. Zweitens führt es eine klassenanalytische Perspektive in die Debatten über Extraktivismus ein und argumentiert, dass Renten nicht nur autoritäre Regime finanzieren, sondern auch dynamische soziale Koalitionen, „Staatsklassen“ sowie Zyklen von Konflikt, Protest und Kooptation prägen. Drittens entwickelt das Buch einen vergleichenden Ansatz zur politischen Ökonomie der grünen Transformation, der das Zusammenspiel zwischen innerstaatlichen Rentenregimen und externen Einflüssen durch globale Märkte, internationale Geber und Klimapolitik in den Mittelpunkt stellt. Indem jede Fallstudie in konkreten Auseinandersetzungen, Alltagserfahrungen und umkämpften Ansprüchen auf Ressourcen verankert wird, zeigt das Buch, wie globale Transformationen vor Ort vermittelt, bekämpft und neu angeeignet werden.

Das Buch ist eine wichtige Lektüre für alle, die sich für politische Ökonomie, Entwicklungsforschung sowie die Nahost- und Nordafrikastudien (MENA) interessieren. Besonders relevant ist es für Wissenschaftler:innen, die zu Extraktivismus, Rentierstaaten, Autoritarismus, postkolonialer Entwicklung sowie zur politischen Soziologie von Klassen und Klassenkämpfen arbeiten.

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